Historik

Chronik der 125 Jahrfeier

 

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Wie entstand die Freiwillige Feuerwehr?

 

„Wohlig ist des Feuers Macht,

wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht;

doch furchtbar wird die Himmelskraft,

wenn sie der Fesseln sich entfacht.“

 

Die Wahrheit dieser Worte aus Schillers „Glocke“ hat unsere Stadt Hartha namentlich in früherer Zeit so recht am eigenen Leibe verspüren müssen, fielen doch zum wiederholten Male ganze Stadtteile dem gefräßigen Element zum Opfer.

Bekanntlich brannte 1842 ein großer Teil der Neustadt nieder, nämlich am 8. August 14 und in der Nacht zum 16. September 34 Häuser. Im Jahre 1846 brannte die ganze Häuserreihe in der Karl-Marx-Straße 4 bis 16 ab, nur Nr. 2 blieb stehen. Solche umfangreichen Brände waren in der damaligen Zeit nichts Seltenes, denn die Giebel waren aus Holz, die Wände von Fachwerk und die Dächer mit Spindeln oder Stroh bedeckt.

Wegen der Feuergefahr mußte ja auch der Nachtwächter durch die Straßen gehen. In sein Horn blasend, rief er den Leuten als Nachtgruß zu:

 

„Bewahrt das Feuer und das Licht,

daß niemand ein Schaden geschicht.“

 

Und machte sich irgendwo Brandgeruch bemerkbar oder schlug irgendwo die feurige Lohe zum Dach heraus, so wurde Feueralarm geschlagen, die Sturmglocke schrie in die Nacht hinein, um die Bürger zur Hilfeleistung zu wecken. Mit Handspritzen und Eimern, Äxten und Feuerhaken eilte alles zur Brandstelle. Die Bürger bildeten eine Kette, durch welche die Eimer zur Wasserstelle und wieder gefüllt zum Brandherde liefen. Das war die Bürgerwehr.

Der Brand des Reinhardtsthales 1871 gab wahrscheinlich bei uns die Veranlassung zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr, die am 8. November vor sich ging. Gründungsmitglieder waren:

 

Die ersten Ausrüstungsgegenstände waren 11 Kutten, 6 Steigergurte, 12 Nothaken, 9 Schutzhelme, 1 Steigeleiter, 2 Schlauchleinen, 6 Steigerlaternen und 5 Signalhörner.

 

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Im April 1872 konnte die erste Handdruckspritze gekauft werden.

 

Der erste Löscheinsatz der ins Leben gerufenen Wehr fand am 10. November 1871, also nur zwei Tage nach der Gründung, statt. Zu diesem Zeitpunkt mußten die Kameraden ohne Spritze ihre Tätigkeit ausüben. Am 03. Februar 1872 verpflichtete sich die Freiwillige Feuerwehr dem Stadtrat zum Feuerlöschdienst, worauf sie am 15. April 1872 die erste Handdruckspritze erhielt.

Im Jahre 1874 gehörten der Wehr bereits 78 Mann an. Der erste Wehrleiter war der damalige Bierhändler Adolf Nitzsche. Am 02. März 1872 wurden Satzungen beschlossen, wonach die Wehr die Bezeichnung „Freiwillige Feuerwehr Hartha“ erhielt.

Bei einem Dachstuhlbrand am 12. August 1872 in der Dresdener Straße wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Hartha erstmalig ein Innenangriff durchgeführt, der die schnelle Brandbekämpfung zur Folge hatte. Die Bürgerfeuerwehr, die zu diesem Zeitpunkt noch existierte und ebenfalls an der Brandbekämpfung teilnahm, sah sich durch diesen Innenangriff in ihrer Ehre gekränkt und setzte kurzerhand die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr  mit ihrem Strahlrohr unter Wasser. Eine Auseinandersetzung ließ sich nicht vermeiden. Daraus folgte, daß die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr ihre Uniformen im Gerätehaus ablegten (bis auf zwei). Nur durch das gute Zureden des ehemaligen Wehrleiters Nitzsche gelang es, die Kameraden von der Notwendigkeit des Weiterbestehens der Freiwilligen Feuerwehr zu überzeugen.

Im April 1873 wurde Oskar Lippmann Wehrleiter. Die Wehr erhielt, als sie ein Gesuch um finanzielle Mittel nach Dresden schickte, 200 Taler, die 1874 für den Kauf einer zweiten Handdruckspritze Verwendung fanden.

Im April 1876 fiel die Entscheidung, ein Steigerhaus zu bauen. Der Bau erfolgte in Holz hinter dem Hotel „Zum Schwan“. Die Übergabe dieses Baues erfolgte am 09. Oktober 1876.

1878 übernahm Robert Noch die Leitung der Feuerwehr. Der nächste Wechsel in der Wehrleitung folgte im Dezember 1882 mit der Berufung von Oskar Hofmann zum Wehrleiter. Damals bestand die Feuerwehr aus einem Steigerzug, zwei Spritzenzügen, einem Sperrzug und einem Schlauchlegerzug.

Um am Einsatzort auch Verletzten sofort Hilfe leisten zu können, wurden zwei Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zu Sanitätern ausgebildet. 1886 ergänzte sie ihre Ausrüstung duch eine verschiebbare Stützleiter und einen Schlauchwagen, 1890 kam noch ein Rettungsschlauch dazu. In diesem Jahr wurde Oskar Döge zum Wehrleiter berufen.

Inzwischen war das Steigerhaus am Schwan  durch Übungen und Witterungs-bedingungen unbrauchbar geworden. Der Stadtgemeinderat genehmigte die Nutzung der Hinterfront des Schulgebäudes als neues Steigerhaus.

Im Jahr 1896 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jähriges Bestehen. Zu dieser Zeit bestand sie aus 82 aktiven Mitgliedern, die wie folgt aufgeteilt waren:

1 Steigerzug, 2 Spritzenzüge, 1 Absperrzug, 1 Schlauchlegerzug und 1 Signalistenzug.

Bis zum 25jährigen Bestehen mußten die Kameraden der Wehr 49 Mal zu mehr oder weniger großen Bränden ausrücken.

1898 übernahm die Wehr Hermann Seiboth, und ihm folgte 1909 Emil Braune. Am 16. Oktober 1910 wurde das neu gebaute Gerätehaus von Bürgermeister Hinkel und dem Stadtgemeinderat der Freiwilligen Feuerwehr übergeben und eingeweiht.

Am 08. November 1911 feierte die Harthaer Wehr ihr 40jähriges Bestehen. Wilhelm Kretzschmar sprach sich darüber aus, daß die Wehr von Mitgliedern des Turnverbandes gegründet wurde. Auch berichtete er umfassend über die 40jährige Geschichte der Wehr. Es wurde auch erwähnt, daß die Wehr bis zu ihrem 40jährigen Jubiläum 80 Mal in Fällen der Feuersnot erfolgreich tätig gewesen ist.

Während des ersten Weltkrieges traten auch innerhalb der Harthaer Wehr große Schwierigkeiten auf. In den Mannschaftsbestand wurden durch die Einberufung zum Kriegsdienst empfindliche Lücken gerissen. Der ehemalige Wehrleiter Braune übernahm nun die Wehr und bildete Jugendmannschaften aus, die die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr garantierten. Im Jahre 1916 wurde eine mechanische Leiter gekauft. 1919 wurde Emil Häußler Wehrleiter.

 

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Eine von zwei Postkarten zum 50jährigen Bestehens der FFW Hartha

 

50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Hartha

Am 08. November 1921 wurde das 50jährige Bestehen der Harthaer Freiwilligen Feuerwehr gefeiert, zu dem sich etwa 500 Festgäste in Hartha einfanden. Aus Anlaß dieses Festtages wurden zwei Feuerwehr - Festpostkarten gedruckt. Die Festveranstaltungen wurden mit dem Feuerwehrmarsch von Herrn Zscherpe eröffnet. Danach begrüßten Hauptmann Häußler und Bürgermeister Grunewald die Gäste.

Der Bürgermeister gab bekannt, daß die Stadtgemeinde beschlossen hatte, der Wehr 3000 Mark zu der Stiftung für verunglückte und in Not geratene Wehrleute zur Verfügung zu stellen.

An diesem 50. Jubiläum gehörte der Wehr nur noch ein Gründer an, und zwar Herr Karl Kretzschmar. 5 Mitglieder wurden zu diesem Anlaß durch Herrn Brandmeister Richter geehrt. Zu diesem Fest kamen insgesamt 62.486,25 Mark zusammen. Durch diese Geldspenden war die Harthaer Wehr die reichste im ganzen Bezirk. Im einzelnen setzte sich diese Summe wie folgt zusammen:

 

50.000,00 RM     Sammlung der Ortsgruppe des Verbandes Sächsischer Industrieeller

  4.470,25 RM     Ertrag der allgemeinen Haussammlung

  1.340,00 RM     Sammlung unter den Frauen der aktiven und passiven Mitglieder

  3.000,00 RM     Spende der Stadtgemeinde Hartha

  3.676,00 RM     Geschenke an Geld, welche im Verlaufe des Kommerses von Nachbarwehren, Vereinen und sonstigen Freunden der Wehr                 gestiftet wurden

 

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Motorspritze 1925

 

Den Fraktionen der KPD und der SPD ist es zu verdanken, daß 1925 eine pferdebespannte Motorspritze gekauft werden konnte. Zur Verbesserung der Alarmierung der Kameraden erfolgte das Anbringen einer Alarmsirene auf dem Rathaus. Durch die Anschaffung einer Automobilspritze im Jahre 1930 galt die Harthaer Freiwillige Feuerwehr über den Kreis Döbeln hinaus als gut und modern ausgestattet.

 

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Steigerzug um 1930

 

„Prasselt die Flamme und sengt sein Gesicht,

fest steht der Steiger und fürchtet sich nicht.

 

Zum 60jährigen Bestehen der Wehr 1931 bestand die Wehr aus:

1 Steigerzug,                                                        1 Alarmzug,

1 Motorspritzenzug,                                          1 Hydrantenzug,

1 Signalistenzug                                                 und 1 Sperrzug.

 

Insgesamt waren 1931  85 Kameraden sowie 19 Ehren- und 40 passive Mitglieder in der Wehr. Innerhalb dieser 60 Jahre mußte die Wehr 129 Mal zu Bränden ausrücken.

1933 kam es zu einem erwähnenswerten Großbrand in Hartha. Der ehemalige Ratskeller - zu diesem Zeitpunkt Lager der Fa. Hermann Müller - wurde ein Raub der Flammen. Das Lager war gefüllt mit Filz- und Lederschuhen.

1935 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Hartha von der Fa. Hermann Müller eine Spende in Höhe von 500 Mark, für welche der alte PKW Horch von einem Autofriedhof angeschafft wurde, welcher nun die auf einem Einachshänger montierte alte Kraftspritze zur Brandstätte beförderte. Zur weiteren Verbesserung der Alarmierung wurden auf dem Schulgebäude eine Feuer- und Luftschutzsirene angebracht.

 

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Kompagnie der Freiwilligen Feuerwehr zu Hartha 1937

 

1942 übernahm Max Thiele die Wehr. Die größte Einsatzbereitschaft jedoch bewiesen die Kameraden der Wehr, als angloamerikanische Panzer unsere Heimatstadt 1945 beschossen. Noch während des Beschusses unternahmen die Kameraden ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben die Brandbekämpfung am Grundstück der Bäckerei Neustadt und des ehemaligen Stadtcafe`s. Ein Teil der Wehr löschte unter denselben Bedingungen den ausgebrochenen Brand in den Wohnhäusern der Bahnhofstraße. Dabei wurde die eingesetzte alte Fischerspritze (siehe Bild rechts) zerschossen. Auch waren es die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr  Hartha, die in den ersten Nachkriegstagen Weizen, Mehl und Zucker unter schwierigsten Verhältnissen über die Zschopau nach Hartha brachten, um die Versorgung der Harthaer Bürger zu gewährleisten. Besonderer Ruhm gebührt den Kameraden Jahn, Geiler, Beyer, Hanns, Thiele und Haftmann.

 

Von 1947 bis 1955 war Herr Alfred Jahn Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Hartha. Nachdem der Kreis in Wirkungsbereiche aufgeteilt wurde, wurde der Kamerad Alfred Jahn Wirkungsbereichsleiter und Kamerad Kurt Wollermann Wehrleiter. Von seiten des Staates wurde in diesem Jahr ein neuer Tragkraftspritzenanhänger an die Wehr übergeben. 1955 wurde im Ortsteil Aschershain eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, die als Kommandostelle der Freiwilligen Feuerwehr Hartha angegliedert wurde. Durch freiwillige Arbeitseinsätze der Kameraden im Nationalen Aufbauwerk (NAW) konnte in Aschershain ein Gerätehaus erbaut werden. Im Jahre 1956 erhielt der Rat der Stadt für die Freiwillige Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug - LKW LF 8 von Typ K30 - im Werte von rund 37.000,00 Mark. In den Jahren 1957/58 wurden verstärkt Brandschutzgruppen in den Feuerwehren gebildet. Leiter der Brandschutzgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Hartha war der Kamerad Nitzsche. Kamerad Geiler entwickelte ab 1954 eine Ausstellung, die jedem Besucher veranschaulichte, welche Auswirkungen fahrlässige Handlungen haben können. 1956 wurde an der Töpelstraße von den Kameraden in Eigenleistung eine Löschwasserzisterne im Wert von etwa 12.000,00 Mark gebaut, um die Löschwasserversorgung der Anlieger sicherzustellen. 1960 wurde Kamerad Werner Bernhardt zum Wehrleiter berufen. Zu dieser Zeit waren 49 Kameraden aktiv bei der Freiwillige Feuerwehr. In den folgenden Jahren wurden der Freiwilligen Feuerwehr  Hartha Geräte im Wert von 65.000,00 Mark zur Verfügung gestellt. Dabei unter anderem 1 LKW LF 8, 35 Feuerwehrschutzanzüge, 50 Feuerwehrtuchuniformen, 60 B- und 60 C-Druckschläuche und 1 Tragkraftspritze.

Die im OT Diedenhain bestehende Freiwillige Feuerwehr wurde 1960 als Kommandostelle in die Freiwillige Feuerwehr Hartha eingegliedert.

1961 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Hartha die Wanderfahne als beste Wehr im Kreis Döbeln.

Das Löschfahrzeug LF8 vom Typ „Opel“ entsprach 1961 nicht mehr der Straßenverkehrszulassungsordnung und wurde aus diesem Grund aus dem Verkehr gezogen. Als Ersatz wurde ein bis dahin in der Freiwilligen Feuerwehr Roßwein eingesetztes Löschfahrzeug vom Typ „Magirus“ nach Hartha umgesetzt.

Zum besseren Verständnis muß hierzu gesagt werden, daß in der DDR die Zuweisung von Feuerwehrtechnik ausschließlich durch den Rat des Bezirkes und die Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei erfolgte. Die Räte der Städte und die Feuerwehren selbst konnten darauf keinerlei Einfluß ausüben.

 

Die technischen Maße des Löschfahrzeuges „Magirus“ erforderten den Bau einer neuen Feuerwehrausfahrt in Richtung Weststraße. Da dafür weder finanzielle Mittel noch Bilanzen für die Baukapazität vorlagen, wurde diese Ausfahrt in Eigenleistung der Kameraden der Feuerwehr erstellt, die dabei von der Firma „Fuhrgeschäft Bernhard“ und der „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Flemmingen“ durch die zur Verfügungstellung von Transporttechnik unterstützt wurden.

 

Im August 1962 gelang es durch viele Aussprachen, 10 Frauen für die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen. Die Tätigkeit dieser Frauen war ausschließlich auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes. Leiterin der Frauengruppe wurde die Kameradin Ursula Bracklow. Von den damaligen 10 Frauen ist heute nur noch Ilse Jäschke in der Altersabteilung unserer Wehr aktiv. Im September 1962 übernahm der Kamerad Heinz Rupf die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Harthas. Dieses Amt übte er 26 Jahre bis 1988 aus. Am 10. September 1965 wurde der Feuerwehr Hartha ein weiteres Löschfahrzeug älteren Baujahres vom Typ „Henschel“, das bisher in der Freiwilligen Feuerwehr Roßwein eingesetzt war, zur Verfügung gestellt, welches am 12.11.1966 wiederum in die Gemeinde Lüttewitz umgesetzt wurde. Im Jahre 1965 wurde das Löschfahrzeug vom Typ „Magirus“ außer Betrieb gesetzt und der Feuerwehr Hartha dafür ein Löschfahrzeug 15 vom Typ  „H3A“, das bisher in der Berufsfeuerwehr Leipzig eingesetzt war, zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Fahrzeug, ein Schlauchtransportwagen, wurde 1966 ebenfalls von der Berufsfeuerwehr Leipzig in die Freiwillige Feuerwehr Hartha umgesetzt. Mit der Übergabe eines Löschfahrzeuges der Neuproduktion vom Typ „LKW LF 8 STA“ (Robur) wurde das Löschfahrzeug „LKW LF 8 STA“ in eine andere Gemeinde unseres Kreises umgesetzt.  Die Konzentration moderner Feuerwehr-Technik stellte den Rat der Stadt vor die Aufgabe, die erforderlichen Räumlichkeiten zu ihrer Unterbringung zu schaffen. In den Jahren 1967/1968 wurde deshalb ein umfangreicher Um- und Erweiterungsbau des Gerätehauses durchgeführt. In 2538 NAW-Stunden erbrachten die Kameraden dabei einen Wert an Eigenleistung  von 14.781,- Mark. Der Um- und Neubau das Gerätehauses umfaßte die Schaffung eines Schulungsraumes, sanitärer Anlagen und drei Fahrzeughallen. Das Löschfahrzeug „LKW LF 8 STA“ wurde 1970 in die Gemeinde Wendishain umgesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr Hartha erhielt dafür ein Löschfahrzeug der Neuproduktion des gleichen Typs mit verbesserter technischer Ausrüstung. Am 19.01.1972 wurden zur Alarmierung der Kameraden die bisher betriebenen Feuermelde- und Alarmeinrichtungen außer Betrieb gesetzt und ein neues Funkalarmierungssystem in Betrieb genommen. Die seit Jahren in vielen Bereichen der Stadt Hartha und den Ortsteilen kritische Situation auf dem Gebiet der Löschwasserversorgung führte dazu, daß der Freiwilligen Feuerwehr Hartha nach unzähligen Eingaben und Gesuchen im Dezember 1976 ein fabrikneues Tanklöschfahrzeug vom Typ „TLF 16 W50“ zur Verfügung gestellt wurde. Die erste Bewährungsprobe dieses Fahrzeuges war wenige Wochen später beim Brand im Gehöft Möhler in der Leipziger Straße. Nicht nur bei der Anschaffung von Löschfahrzeugen wurde ständig an der Verbesserung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr gearbeitet, sondern auch an der sonstigen Ausrüstung der Feuerwehrkameraden, wie zum Beispiel Neuanschaffung von Schutzbekleidung, Uniformen, Verbesserung der Atemschutztechnik und des gesamten Schlauchmaterials, um nur einige der wesentlichsten Dinge anzuführen. Eine spürbare Verbesserung der Einsatztechnik erfolgte am 01.12.1983 durch die Übergabe des Löschfahrzeuges „LF 16 W50“, welches wiederum von der Berufsfeuerwehr Leipzig nach Hartha umgesetzt wurde. Damit erfolgte gleichzeitig eine Typenbereinigung mit Fahrzeugen des damaligen neuesten Standes der Feuerwehrtechnik. Zur Jahreshauptversammlung 1988 erfolgte der bislang letztmalige Führungswechsel in der Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Hartha. Da der Wehrleiter Heinz Rupf gleichzeitig seit 1969 die Funktion des Wirkungsbereichsleiters ausübte, übergab er die Führungsgeschäfte in der Leitung der Freiwilligen Feuerwehr Hartha aus Gründen der Überlastung in die Hände des Kameraden Werner Hampicke, der der Wehr auch heute noch als Leiter vorsteht. Mit dem Zusammenbruch der DDR-Regimes im Jahre 1989 begann auch eine neue Phase der Entwicklung unserer Wehr.Neue Aufgabengebiete, wie zum Beispiel technische Hilfeleistungen, erforderten von den Kameraden ein schnelles Umdenken und Anpassen an die veränderten Situationen. Die bisher in der Feuerwehr vorhandenen technischen Ausrüstungen entsprachen in vielen Fällen nicht den in der Bundesrepublik gültigen DIN-Vorschriften. Vor der Stadtverwaltung stand die Aufgabe, die Kameraden mit DIN-gerechter Schutzbekleidung auszustatten. Die Atemschutztechnik ist bis zum Jahr 2000 ebenfalls auf bundesdeutschen Standard zu bringen.

 

Im Rahmen des erweiterten Katastrophenschutzes wurde der Freiwilligen Feuerwehr Hartha 1991 das erste Löschfahrzeug nach BRD-DIN vom Typ „LF 16 TS“ (Mercedes) vom Bund zur Verfügung gestellt. Die Anschaffung eines hydraulischen Schneid- und Spreizgerätes 1991 ermöglicht es der Feuerwehr, den neuen Anforderungen der technischen Hilfeleistung durch die Feuerwehr als Grundaustattung gerecht zu werden.

Eine weitere Verbesserung der technischen Ausrüstung erfolgte 1995 durch die Übergabe eines Beleuchtungsanhängers „BLA 20“ an die Freiwillige Feuerwehr Hartha, der im Rahmen des Katastrophenschutzes durch den Landkreis Döbeln angeschafft wurde.

Durch die im Jahre 1994 erfolgte Eingliederung der Gemeinden Steina und Wendishain in die Stadt Hartha wurden auch deren bisher selbständige Freiwilligen Feuerwehren als Löschgruppen in die Freiwillige Feuerwehr Hartha aufgenommen.

Aus den uns vorliegenden Unterlagen geht hervor, daß vom Gründungstage, dem 8. November 1871, bis heute genau 1400 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hartha in der Freiwilligen Feuerwehr Hartha tätig waren. Diese Zahl ist ohne die später angegliederten Löschgruppen der Ortsteile zu verstehen.

 

Personal- und Technikbestand zum Zeitpunkt der 125-Jahrfeier

1.) Manschaft:

 

Löschgruppe

 

aktive Abteilung

Altersabteilung

Jugendfeuerwehr

Hartha

31

10

21

Aschershain

11

-

-

Diedenhain

12

-

-

Steina

18

2

-

Wallbach

18

2

-

Wendishain

21

19

-

 

2.) Technik:

 

Löschgruppe Hartha:

1 Löschfahrzeug LF16 W50                            1 Tanklöschfahrzeug TLF 16 W50

1 Löschfahrzeug LF 16 TS Mercedes            1 Beleuchtungsanhänger BLA20

1 Beleuchtungsanhänger BLA 3                     1 Hydraulisches Rettungsgerät

1 Tragkraftspritzenanhänger TSA                  1 Schlauchtransportanhänger STA

1 Motortrennschleifer (Stiehl)                          1 Motorkettensäge (Stihl)

2380 Meter B-Druckschläuche                       1540 Meter C-Druckschläuche

34 Funkalarmempfänger

 

Löschgruppe Aschershain:

1 Tragkraftspritzenanhänger TSA

 

Löschgruppe Diedenhain:

1 Tragkraftspritzenanhänger TSA

 

Löschgruppe Steina

1 Tragkraftspritzenanhänger TSA                  1 Schlauchbot 0,5t

 

Löschgruppe Wallbach:

1 Tragkraftspritzenanhänger TSA

 

Löschgruppe Wendishain:

1 Löschfahrzeug LF8-TS8-STA                      1 Tragkraftspritzenanhänger TSA

 

Jugendfeuerwehr Hartha

Eine gezielte und aktive Arbeit mit der Jugend bildet die Voraussetzung dafür, daß für die Freiwillige Feuerwehr genügend Nachwuchs herangezogen wird.

Diese Jugendarbeit ist in der Freiwilligen Feuerwehr Hartha seit 1959 dauerhaft nachweisbar, als die Kameraden Kurt Gey, Heinz Born und Heinz Rupf die erste Arbeitsgemeinschaft „Junge Feuerwehrleute“ mit 10 Jungen im Alter von 13 Jahren ins Leben riefen.

Durch Schulabgang löste sich diese Arbeitsgemeinschaft allerdings 1961 wieder auf und wurde 1963 durch den Kameraden Hans Bracklow neu aktiviert.

Aus dieser Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“ - wie sie seit diesem Zeitraum genannt wurde - gingen zahlreiche Kameraden, die heute noch ihren Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Hartha leisten, hervor.

Verdienste in der Jugendarbeit erwarben sich dabei als Leiter der Arbeits-gemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“ von:

 

1963 bis 1970 Kamerad Hans Bracklow,

1970 bis 1980 Kamerad Werner Rietzschel,

1981 bis 1987 Kamerad Bernd Schirmer und Dieter Möbius

und seit 1988 wiederum der Kamerad Werner Rietzschel.

 

Mit dem Zusammenbruch der DDR wurde auch die Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“ offiziell aufgelöst. Dem letztgenannten Kameraden ist es zu danken, daß die Jugendarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr Hartha nicht zum Erliegen kam. Nachdem sich der „Deutsche Feuerwehrverband“ als neuer Träger der Jugendfeuerwehr auch im Kreis Döbeln etabliert hatte, wurde am 1.7.1991 die Jugendfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr Hartha beim Feuerwehrverband eingetragen.

Die Mädchen und Jungen der Harthaer Jugendfeuerwehr wurden durch die Stadtverwaltung Hartha im Jahre 1994 mit neuer Feuerwehrkleidung ausgestattet.

 

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Jugendfeuerwehr beim Gerätetraining

 

 

Herausragende Brände in Hartha

Großfeuer in Hartha 1934

„Zum zweiten Male in diesem Jahre wurde unsere Stadt von einem schweren Brandunglück betroffen. Nachdem erst am 7. Februar d. J. der frühere Ratskeller am Markt, in dem die Firma Hermann Müller ihre umfangreichen Warenbestände untergebracht hatte, völlig eingeäschert worden war, wurde die Firma erneut von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht.

 

 

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Großfeuer in Hartha - Firma Hermann Müller 1934

 

Abends 22.30 Uhr ließ die städtische Feuersirene drei, vier, fünfmal ihren schaurigen Ruf durch die stille Nacht erschallen: Großfeuer-Alarm! Wiederum war im früheren Ratskeller-Grundstück, und zwar in dem einzigen, beim letzten Brande erhaltenen Gebäude der ehemaligen Turnhalle, Feuer ausgebrochen, dessen Bekämpfung durch die ungeheure Qualmentwicklung außerordentlich erschwert wurde.

Das massive Gebäude war völlig mit Fertigfabrikaten der Fa. Hermann Müller - vielen Tausenden Paar Filzschuhen - angefüllt, so daß das gefräßige Element reiche Nahrung fand. Fieberhaft bemühte sich unsere Freiwillige Feuerwehr um die Rettung des angrenzenden, bereits geräumten Wohnhauses sowie des nur wenige Meter entfernten großen Lagerschuppens, was nach angestrengtester Arbeit glücklicherweise auch gelang. Nach kurzer Zeit erschien auch die sofort zur Hilfeleistung herbeigerufene Waldheimer Nachbarwehr am Brandort, die dabei erstmalig ihr neues Löschgerät benutzte. Aus sieben Schlauchleitungen wurden ungeheure Ströme Wassers in die mächtig auflodernden Flammen geworfen, die, nachdem sie das Dach durchbrochen hatten, den Himmel blutigrot färbten.

Gegen Mitternacht dann war die Gewalt des Feuers gebrochen und jede Gefahr weiteren Umsichgreifens gebannt, da die Flammen gelöscht waren und der gefährliche Funkenflug aufgehört hatte. Nur ein beißender, undurchdringlicher Qualm entquoll noch dem völlig ausgebrannten Gebäude, das natürlich strengster Bewachung bedarf, um ein Wiederaufflammen des Brandes zu verhüten. Trotz anhaltenden, mit Schnee vermischten Regens erfüllten die Feuerwehrleute wacker ihre Pflicht und neben der fast völligen Windstille ist es nur ihrem kühnen Vorgehen zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb.

Die gewaltigen Lagervorräte sind zumeist verbrannt oder durch das Wasser unbrauchbar geworden, so daß der Materialschaden ganz enorm ist und sich auf rund 300000,00 Reichsmark beläuft. Die Ursache dieses erneuten Brandunglücks ist völlig unbekannt“.

 

Dachstuhlbrand in Hartha mit hohem Sachschaden

 

 

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 Dachstuhlbrand in Hartha


„Am 25.10.1982 gegen 10.20 Uhr kam es in einem Wohnungsblock der AWG „Neues Leben“ in Hartha, Straße des Friedens, zu einem Dachstuhlbrand mit hohem Schaden, bei dem vier Häuser betroffen waren. Die eingesetzten Kräfte der Feuerwehren von Hartha, Döbeln, Leisnig und Waldheim boten alle Kräfte auf, den sich schnell ausbreitenden Brand zu bekämpfen. Starke Rauch- und Hitzeentwicklung stellten an die Feuerwehrleute hohe physische Anforderungen. Die Brandbekämpfung mußte von den Trupps vorwiegend mit Druckluftatemgeräten vorgenommen werden. Der Einsatz von Netzwasser und Mittelschaum hatte sich bei der Brandbekämpfung gut bewährt, so daß Nachfolgeschäden durch Wasser den Umständen entsprechend gering gehalten werden konnten. Personen kamen bei diesem Brand nicht zu Schaden. Sechs Familien mußten evakuiert werden“.

 

Weitere nennenswerte Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Hartha der letzten Jahrzehnte

 

Am 11.1.1971 Großfeuer im Lager für Gummi- und Plastikartikel in Gersdorf

Großfeuer am 21.2.1978 im Gehöft Holtsch in Flemmingen, Scheune und Seitengebäude brannten nieder, das Wohnhaus konnte gerettet werden. Die Ursache war Brandstiftung durch Kinder.

Vom 27. bis 31.8.1978 war eine Kohlestaubexplosion mit Brandfolge im Kesselhaus der VEB Volltuchwerke Hartha. Hoher Sachschaden sowie ein schwerverletzter Kesselwärter und drei verletzte Feuerwehrleute waren die traurige Bilanz.

Am 1.1.1982 Brand eines Bergeraumes am Rinderstall Gersdorf. Die Ursache war eine Feuerwerksrakete.

Am 12.2.1986 war ein Wohnungsbrand in der Gerhart-Hauptmann-Straße 20, wobei ein Menschenleben und hoher Sachschaden zu beklagen waren. Die Brand-bekämpfung bei diesem Einsatz wurde durch extreme Kälte (-16°C) erschwert, so daß teilweise Löschwasserleitungen zum Einfrieren kamen.

Wohnungsbrand am 1.1.1988 in der Straße der Jugend  23, hervorgerufen durch eine Feuerwerksrakete. Die Wohnung brannte völlig aus, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Am 17.8.1990 Brand eines PKW und eines LKW in Folge eines Verkehrsunfalles auf der B175, wobei zwei Menschen das Leben verloren.

Der 1.1.1994, wiederum wurden die Kameraden in der Silvesternacht zu einem Brand eines Bergeraumes der Agrargenossenschaft Reinsdorf in Flemmingen gerufen, der durch Feuerwerkskörper verursacht wurde. Ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohnhäuser konnte verhindert werden. Es entstand jedoch erheblicher Sachschaden am 40 Meter langen Gebäude und am eingelagerten Erntegut. Die Brandbekämpfung erstreckte sich bis zum 1.1.1994 gegen 17.00 Uhr.

 

 

Bilder der Mitglieder zum 125 Jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Hartha

 

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                 Aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, Löschgruppe Hartha                   Altersabteilung der Freiwilligen Feuerwehr, Löschgruppe Hartha

 

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                               Jugendfeuerwehr der Löschgruppe Hartha                                   Gruppenfoto aller Angehörigen der Löschgruppe Hartha mit Jugendfeuerwehr